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Ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte im politischen Plakat

von Holger Matthies von 12. April bis 11. August 2016

Plakate gestalten - was sonst?

Alle Plakatgestalter sind von der Mission, den öffentlichen Raum, die Stadtlandschaft mit ihren visuellen Botschaften zu bereichern, beseelt. Plakate waren und sind,
vorausgesetzt sie haben eine relevante Aussage, Meinungsbildner für den öffentlichen Diskurs. Sie benötigen keine Museen oder Galerien, keine Ausstellungseröffnungen mit Sektempfängen, weder Kuratoren noch Redner. Sie sprechen ihre eigene Sprache: Sie plaudern, flüstern oder schreien von Hauswänden, Anschlagtafeln oder -säulen, sie besetzen Haltestellen und Bahnhöfe, sie sind allgegenwärtig! Sie sind die Kinder der Straße und kommunizieren mit jedermann. Mal laut und proletarisch, mal feinsinnig und sensibel, je nach Zielgruppe unterschiedlicher Ansprache verpflichtet. Plakate für den Kulturbetrieb haben im Gegensatz zu Markenartikel- und Wirtschaftsplakaten andere Anmutungsqualitäten. Wahlkampfplakate widerum haben ein völlig anderes Erscheinungsbild als Informationsplakate. Der Betrachter kann über diese visuelle Kodierung der Bildsprache entscheiden, ob er sich als Empfänger der Botschaft angesprochen fühlt. In der Regel halten sich Plakatgestalter an diese Gesetzmäßigkeiten. Zuweilen ist es aber reizvoll, Gesetze zu ignorieren und Leitsätze zu unterlaufen. Akademische Gestaltungskriterien werden nicht selten von neuen Designtrends infrage gestellt oder überwuchert. Häufig hat das auffrischende, inspirierende Wirkung, denn neue Impulse verhindern, dass ein Medium im Dogmenkorsett seiner Gestaltungsprinzipien erstickt. Weltweite Gradmesser neuer Namen und neuer Gestaltungstrends sind die Plakatbienalen und - trienalen. Wie aber sieht die Zukunft wirklich aus? Hat das Plakat in der Onlinewelt eine Überlebenschance? Ist das Netz mit seinem ungebremsten Tempo nicht der Killer traditioneller Medien? Zur Zeit mag es so aussehen, dass Klicken, Googeln, Raubkopieren die Kultur unseres Lebens verändert hat und weiter verändern wird. Zur Zeit mag es so aussehen, dass die Onlinewelt mit ihren Betriebssystemen Zeitungen, Bücher, fast alle Printmedien, also auch Plakate, in naher Zukunft verdrängen wird. Ich aber kann mir nicht vorstellen, wie trist und langweilig unsere Städte ohne die farbenfrohe Vielfalt der Plakatanschläge aussehen werden. Einen Eindruck solcher Stadtlandschaften bekommt man in den Schlaf- und Vorstädten unserer Großstädte. Hier wird kaum plakatiert, weil der hier lebende Adressat für die Absatzwirtschaft nicht interessant und zahlungskräftig ist. Das Ergebnis ist ein unsinnliches Einheitsgrau. Das allas klingt ein wenig kulturpessimistisch. Ich aber glaube, das Plakat wird in neuem Gewande auferstehen, nicht mehr gedruckt auf Papier, sondern elektronisch auf Leuchwände und -säulen geschaltet. Die Softwarekonzerne und Betreiber elektronischer Medien werden sich den Markt, die Städte elektronisch zu möblieren, nicht entgehen lassen. Ich vermute, an der elektronisch programmierbaren Anschlagsäule und -fläche wird in den Konzernen bereits fieberhaft gearbeitet. Da Computer bis heute keine Einfälle und Ideen liefern, werden die Plakatgestalter auch in dieser “schönen neuen Welt” geschätzt und gebraucht werden.


Prof. Holger Matthies



Designing posters - what else?

All poster designers are enlivened by the challenge to enrich public spaces and urban landscapes with their visual messages. Provided they make a relevant statement, posters have always been and remain opinion formers for public dialogue. They do not require museums and galleries, exhibition openings with champagne receptions nor do they need curators and speakers. They speak their own language: they chat, whisper or shout out from building walls, billboards or poster pillars, they occupy bus stops and train stations, and they are ever-present! They are the children of the street and communicate with everyone. Sometimes gaudy and brassy, sometimes subtle and sensitive, according to the target group they are committed to address. As opposed to posters for brand name and business articles, posters for cultural activities display other visual qualities. Election posters on the other hand have a totally different appearance to informative posters. By means of this visual coding of the visual language, viewers can decide whether they wish to be responsive to the message. As a rule, poster designers behave in accordance with these conformities. But at times, ignoring laws and evading guiding principles can be an enticing prospect. Academic design criteria are frequently questioned or burdened. This often has a refreshing and inspiring effect because new impulses can prevent a medium from suffocating on the dogmatic corset of its design principles. Worldwide yardsticks for new names and design trends are the poster biennials-/triennials. But what does the future really look like? Does the poster have a chance of survival in the online world? Isn't the unchecked speed of the Internet the killer of traditional media? At present it may appear that clicking, googling, and making pirate copies have changed and will continue to change the culture of our life. At present it may appear that the online world with its operating systems will suppress newspapers, books, nearly all print media - and as such also posters - in the near future. But I can't begin to visualize how dreary and boring our cities would be without the colourful diversity of the posters. The dormitory towns and suburbs surrounding our large cities give us a good impression of these city landscapes. Hardly anyone puts up posters because the "non-affluent" target groups that live here do not interest the sales industry. The result is an indefinable uniform grey. This all sounds a bit like cultural pessimism. However, I believe that posters will rise again with a new look, not printed on paper but electronically operated on neon walls and advertising pillars. The software companies and operators of electronic media will not pass up the opportunity to fit out the cities electronically. I assume that companies are already feverishly at work on advertising pillars and surfaces that can be electronically operated. And since computers still can't provide ideas, poster designers will continue to be appreciated and needed in this "bright new world".

Prof. Holger Matthi


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